Der wahre Schatz liegt hinter der Bühne
Wenn eine ganze Reisegruppe zu uns kommt, erwarten die meisten dasselbe: zwei Stunden Karl May, Pferde, ein Finale mit Feuer. Das bekommen sie auch. Aber wenn wir hinterher fragen, wovon die Leute erzählen, ist es fast nie die Szene, die sie am meisten beeindruckt hat.
Es ist der Moment danach.
Nach dem Schlussapplaus kommen unsere Darsteller in ihren Kostümen zu den Gästen. Winnetou steht plötzlich neben Ihnen. Tante Droll erzählt, wie es ist, einen Westmann in Frauenkleidern zu spielen. Es wird fotografiert, gelacht, gefragt. Der Journalist, der im Juli mit rund hundert Lesern seiner Zeitung bei uns war, hat es hinterher „der wahre Schatz“ genannt — bei einem Stück, das Der Schatz im Silbersee heißt, ist das ein hübsches Wortspiel. Und es trifft etwas Richtiges.

Ein Tag, der vor dem ersten Vorhang beginnt
Die Gruppe kam am Nachmittag an. Bevor irgendetwas gespielt wurde, gab es erst einmal ein Feuerwasser zur Begrüßung und danach eine Führung hinter die Kulissen — dorthin, wo die Pferde stehen, wo die Kulissen gebaut werden, wo aus Holz und Farbe ein Stück Wilder Westen entsteht.
Vor Butlers Farm haben wir uns dann alle zusammen fotografieren lassen: die Gäste davor, das komplette Ensemble oben auf der Balustrade. Rund hundert Menschen, die sich zwei Stunden vorher noch nicht kannten.
Genau dafür ist Freilichttheater da.
Zwölf Jahre — und zurück am Anfang
Wir spielen in diesem Jahr zum zwölften Mal. Und ausgerechnet Der Schatz im Silbersee, das Stück, mit dem 2014 alles angefangen hat. Auf der größten Freilichtbühne Oberschwabens.
In dieser Saison ist vieles neu. Peter Görlach hat das Textbuch geschrieben, Sven Kramer führt Regie und steht zugleich als Colonel Brinkley auf der Bühne. Und wir haben einen neuen Winnetou: Christopher Stein aus Österreich, dem man ansieht, wie tief er sich in die Rolle eingearbeitet hat — und der reiten kann wie kaum einer. An seiner Seite Martin Strele, unser dienstältester Old Shatterhand.
Warum wir mit Karl Mays Großmutter beginnen
Das Stück fängt anders an, als man es von einem May-Abenteuer erwartet: mit einem Jungen, der seiner Großmutter zuhört. Es ist der junge Karl May, und was sie ihm erzählt, weckt in ihm die Sehnsucht nach Abenteuer, nach Gerechtigkeit, nach Freundschaft über alle Grenzen hinweg.
Am Ende des Abends kehrt er zurück und legt ihr ein Buch in die Hand. Darin steht alles, was er an der Seite seines Blutsbruders erlebt hat.
Dazwischen liegen zwei Stunden mit rasanten Pferdestunts, einem Finale, das alles bietet, was ein Western-Herz begehrt — und mit einer Figur, die dem Publikum regelmäßig die Show stiehlt: Norbert Sluzalek als sächselnde Tante Droll. Beim Schlussapplaus ist immer gut zu hören, wen die Leute ins Herz geschlossen haben.

Was wir nicht auf die Bühne stellen können
Man kann ein Stück proben. Man kann Kulissen bauen, Pferde trainieren, Pyrotechnik abstimmen und Sicherheitskonzepte schreiben. All das tun wir, und der Zuschauer bekommt davon nichts mit.
Was sich nicht proben lässt, ist der Moment, in dem ein Kind zum ersten Mal einem Darsteller in voller Montur gegenübersteht und nicht weiß, ob es sich mehr fürchten oder mehr freuen soll.
Deshalb schicken wir unsere Leute nach der Vorstellung nicht sofort in die Garderobe. Wer Lust hat, bleibt im Kostüm und geht zu den Gästen. Das kostet unsere Darsteller nach zwei Stunden Vollgas noch einmal Kraft — und es ist der Teil des Abends, von dem hinterher am meisten erzählt wird.
Häufige Fragen
Kann man die Darsteller nach der Vorstellung wirklich treffen?
Ja. Nach der Vorstellung kommen viele unserer Darsteller in Kostüm zu den Gästen, unterhalten sich über ihre Rollen und stehen für Fotos zur Verfügung. Ein fester Programmpunkt ist das nicht — es ergibt sich, und es ergibt sich sehr oft.
Ist das Stück für Kinder geeignet?
Ja. Wir machen familienfreundliches Action-Theater. Es gibt laute Momente, Schüsse und Feuer, und es wird gekämpft. Für Kinder, die das gewohnt sind, ist es ein großes Abenteuer; sehr sensible Kinder sitzen besser etwas weiter hinten.
Wie lange dauert eine Vorstellung?
Etwa zwei Stunden, mit Pause.
Was passiert bei schlechtem Wetter?
Wir spielen unter freiem Himmel, leichter Regen hält uns nicht auf. Bei Unwetter entscheiden wir kurzfristig und informieren über unsere Kanäle. Eine Regenjacke und ein Sitzkissen sind bei jedem Wetter eine gute Idee.
Kommen auch Gruppen?
Ja, regelmäßig — von Vereinen über Betriebsausflüge bis zu organisierten Leserreisen. Für Gruppen lässt sich ein Rundgang hinter die Kulissen im Vorfeld absprechen.
Wer den Sommer noch mitnehmen will
Die Saison läuft. Alle verbleibenden Termine und Karten gibt es in unserem Ticketshop — und wer mit einer Gruppe kommen möchte, meldet sich am besten vorher bei uns.
Das Stück ist gut. Aber ehrlich gesagt: Kommen Sie wegen der halben Stunde danach.